Einzeltherapie oder Paartherapie? Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Sicher ist, dass auch eine Einzeltherapie Einfluss auf die Beziehung hat: Wenn sich ein Mensch verändert, verändert sich auch die Art der Beziehung.
Da, wo schon viele Verletzungen in der Paarbeziehung
stattgefunden haben, wo sich 'Rituale der Verletzungen' etabliert haben
und in einer Paarberatung diese Verletzungen nur fortgeführt werden,
ist eine Paartherapie sicher nicht das Richtige. Auch wenn ein Partner,
eine Partnerin oder beide sehr kränkbar sind und den Schutz des
Einzelpgespräches brauchen, ist eine Paartherapie nicht angebracht.
Eine Einzeltherapie ermöglicht eine grössere Offenheit. Die Angst, den Partner, die Partnerin zu verletzen fällt weg. Es ist in der Einzeltherapie auch leichter, Gedanken, Gefühle oder Verhalten, die mit Scham behaftet sind, auszusprechen. Der Schritt, sie auch in der Beziehung zu thematisieren, falls das gewollt ist, fällt leichter, wenn sie in der Einzeltherapie angeschaut wurden. Manche KlientInnen spüren deutlich, dass sie eine Einzeltherapie brauchen: Sie möchten Verletzungen oder Defizite aus ihrer Kindheit und Jugend aufarbeiten. Sie suchen eine stützende Umgebung, um neue Schritte zu wagen. Sie brauchen Begleitung um Verluste zu betrauern. Sie fühlen sich orientierungslos oder leer und suchen einen Begleiter, eine Begleiterin auf dem Wege zu sich selbst.
Wie finde ich den richtigen Therapeuten? Die richtige Therapeutin? Wer sich in der Psychotherapieforschung ein wenig umsieht, merkt bald, dass der Erfolg einer Therapie von vielen Faktoren abhängig ist. Die therapeutische Methode spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist die therapeutische Beziehung zwischen TherapeutIn und KlientIn. Dass ein konstruktives Miteinander möglich wird. Dass der Therapeut, die Therapeutin zu mir 'passt': Das lässt sich aber nur durch ein Gespräch herausfinden in der persönlichen Begegnung. KlientInnnen merken dabei meist sehr schnell, ob sie sich eine therapeutische Beziehung vorstellen können oder nicht.
Die wenigsten TherapeutInnen, die schon Jahre arbeiten, identifizieren sich mit einer einzigen therapeutischen Richtung. Sie suchen die zu ihnen selbst passenden Methoden und entwickeln dabei oft ihren ganz eigenen Stil.
Keine Therapeut, keine Therapeutin kann auf alle Facetten seines Gegenübers reagieren. Er selber hat seine Geschichte, seine Möglichkeiten und seine Grenzen. Es kann darum auch sinnvoll sein, nach einer Zeit der Zusammenarbeit, den Therapeuten, die Therapeutin zu wechseln: Ob es sich dabei um ein Ausweichen vor unangenehmen Themen in der Therapie handelt, oder um einen Drang nach Weiterentwicklung, lässt sich in einer gut gelaufenen Therapie besprechen.
Die Sitzungen einer Einzeltherapie folgen sich in kürzeren Abständen als in einer Paartherapie. Am häufigsten zwischen zweimal die Woche bis einmal in 14 Tagen.